Einführung in die klassische Homöopathie
Krankheit aus homöopathischer
Sicht
Homöopathische Arzneien
Wirkungen homöopathischer Mittel
Homöopathische
Behandlung
Therapieverlauf
Einfluss der
Lebensführung auf den Heilungsverlauf
70% aller Deutschen glauben an die Heilkraft der Homöopathie, obwohl bis
heute niemand beweisen kann, wie homöopathische Medikamente wirken. Sie wirken -
das beweisen die Erfolge der Homöopathie, die sich sonst nicht 200 Jahre hätte
behaupten können. Die klassische Homöopathie muss von unbedingt von
anderen naturheilkundlichen Therapien unterschieden werden. So sind z.B. der
pflanzliche Hustensaft oder die beliebten Echinazin Präparate zur Steigerung der
Abwehr keine homöopathischen Medikamente.
Die Homöopathie geht auf den Arzt Dr. Samuel Hahnemann zurück, der im Jahre 1790
eine Abhandlung des schottischen Arztes William Cullen über die Behandlung der
Malaria mit Chinarinde übersetzte, in der dieser behauptete, dass die Chinarinde
deswegen heilte, da sie den Magen stärken würde. Da Hahnemann daran nicht
glauben konnte, entschloss er sich kurzerhand zu einem Selbstversuch. Nach der
Einnahme der Chinarinde bekam er Symptome, die einer Malaria in verblüffender
Weise ähnelten. Hier hatte Hahnemann etwas entdeckt, dass er später die
„Simile-Regel" bzw. das Ähnlichkeitsgesetz nannte, nämlich: SIMILIA SIMILIBUS
CURENTUR (Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden). Bevor Hahnemann jedoch
mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit trat, machte er weitere Versuche und
fand auch in alten Schriften Hinweise auf die Simile Regel. So sagte schon
Hippokrates, der große Arzt der Antike:"durch die Ähnlichkeit wird die Krankheit
erzeugt und durch die Anwendung der Ähnlichkeit wird sie wieder geheilt."
Eine Arzneisubstanz kann also einen kranken Organismus genau dann und nur dann
heilen, wenn die Krankheitssymptome im wesentlichen mit den Symptomen
übereinstimmt, welche eine Arznei im gesunden Organismus verursachen vermag.
Im Gegensatz zur klassischen Medizin ist in der Homöopathie die Krankheit
Ausdruck der verstimmten Lebenskraft, wie es Hahnemann nannte. Mit Lebenskraft
bezeichnete Hahnemann einfach die Kraft, die den Organismus am Leben erhält und
alle Vorgänge im Körper regelt. Die Lebenskraft ist unsichtbar, man kann sie
nicht messen, sondern man sieht nur ihre Wirkung. Dies ist wie bei der
Gravitationskraft, die man auch nicht messen kann, aber der Apfel fällt trotzdem
vom Baum.
Durch jahrelange falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Stress, Kummer und
ähnliches, kann nun die Lebenskraft verstimmt werden und es kommt zur Krankheit.
Durch die Symptome, versucht die Lebenskraft wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Der Schnupfen oder das Fieber sind also nicht die Krankheit an sich, sondern sie
sind nur Ausdruck der verstimmten Lebenskraft in ihrem Versuch, die Homöostase
(Gleichgewicht) aufrechtzuerhalten. Wird nun das Fieber unterdrückt, können z.B.
Interferone,( dies sind körpereigene, antivirale Stoffe) nicht mehr in
ausreichendem Maße produziert werden und ein viraler Infekt zieht sich viel
länger als nötig hin.
So wie jeder Mensch individuell verschieden ist, so hat auch jeder seine
„individuelle" Krankheit. Wie jeder weiß, ist Magengeschwür nicht gleich
Magengeschwür . Jeder hat seine eigene, einzigartige Symptomatik. Der eine hat
brennende, der andere stechende Schmerzen, ein anderer Patient muss dauernd
aufstoßen und wieder ein anderer hat Sodbrennen. Aber auch nicht in
unmittelbaren Zusammenhang stehende Symptome sind für die Arzneimittelfindung
außerordentlich wichtig, so spielt eine wichtige Rolle, ob man z.B. nach einem
Kummererlebnis krank geworden ist, oder ob es einen anderen Auslöser gibt, und
auch Essensgewohnheiten, das Schlafverhalten oder auch z. B ob man leicht
verfroren ist, oder eher schwitzt. So behandelt die klassische Homöopathie keine
Krankheiten, sondern sie behandelt kranke Menschen mit ihren speziellen
Symptomen auf Körper-, Geist- und Gemütsebene und so kann es sein, dass zehn
Patienten mit der gleichen Krankheit zehn unterschiedliche Arzneien bekommen.
In der Homöopathie werden mineralische, pflanzliche und tierische
Arzneien verwendet, die stark verdünnt sind. Nimmt man beispielsweise Arnika C
30( wird in der Homöopathie für diverse Verletzungen eingesetzt), so bedeutet
dies, dass die Arznei Arnika 30 mal im Verhältnis 1/100 verdünnt wurde. Dies ist
jedoch nur die halbe Wahrheit, denn bei jedem Verdünnungsschritt wird die Arznei
kräftig geschüttelt und erst durch dieses Potenzieren, wie Hahnemann es nannte,
bekommt die homöopathische Arznei ihre Wirkungskraft.
Wie kann man sich dies vorstellen? Durch das Verschütteln wird von außen
Energie zugeführt und der Informationsgehalt der Arznei wird auf das
Verdünnungsmedium Wasser/Alkohol übertragen. Das Wasser dient quasi als
Informationsspeicher. Hier bietet sich ein Vergleich an: Schmilzt man eine
Schneeflocke(keine Schneeflocke gleicht der anderen) und friert sie unter
kontrollierten Bedingungen wieder ein, so erhält sie ihre ursprüngliche Form
zurück. Das Wasser „merkt" sich also die Form der Schneeflocke bzw. Information
der Pflanze, des Tieres oder des Minerals
Gibt man nun ein homöopathisches Mittel (bei der klassischen Homöopathie
erhält der Patient jeweils
immer nur 1 Mittel), wird dieses Mittel nicht direkt wirken, indem es z.B. die
„bösen" Bakterien bei einem Durchfall oder die „aggressiven" Viren einer
Bronchitis bekämpft, sondern die Arznei bewirkt im Organismus eine Reaktion bzw.
Stärkung der Lebenskraft, die zu einer Aktivierung des Abwehrsystems führt.
Diese
Steigerung der Abwehr führt dann letztendlich zu einer Selbstheilung und nicht,
wie bei allopathischen Medikamenten, nur zu einer Unterdrückung der Symptome.
Die Homöopathie führt also, bei richtiger Anwendung vorausgesetzt, zu einer
Stärkung des gesamten Organismus und macht den Patienten insgesamt gesünder.
Kommt man das erste Mal zum Homöopathen, wird man zunächst recht
verwundert sein, denn im Gegensatz zur Schulmedizin dauert die Erstanamnese in
chronischen Fällen etwa 1 ½ - 2 Stunden. Auch die Fragen, die einem als
Patienten gestellt werden, muten manchmal ziemlich merkwürdig und
ungewöhnlich an und scheinen, oberflächlich betrachtet, nichts mit den
eigentlichen Beschwerden des Patienten zu tun zu haben. Neben gewöhnlichen
Fragen nach bisherigen Krankheiten, Unfällen, Operationen und Impfungen , kommen
bei einer homöopathischen Anamnese auch Fragen zum sozialen und familiären
Umfeld, verborgene Ängste, Hoffnungen und Obsessionen auf den Tisch.
Gegenseitiges Vertrauen ist hierbei selbstverständlich. Jede vermeintliche
Kleinigkeit kann wichtig sein, speziell dann, wenn sie typisch für den Patienten
ist. Anders als in der Schulmedizin denkt der Homöopath nicht organbezogen an
Herz, Leber oder Niere, sondert schafft aus den vielen Mosaiksteinchen ein
möglichst komplettes Bild der Person. Den sogenannten Gemütssymptomen wird dabei
besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Wundern darf man sich nicht, wenn man nach der Erstanamnese ohne Medikament nach
Hause geschickt wird. Dies ist kein Zeichen von Ratlosigkeit seitens des
Homöopathen, sondern vielmehr von Sorgfalt. Gerade in chronischen Fällen ist
nämlich das individuelle Arzneimittel (Simile) nicht immer einfach zu erkennen.
Der Patient wird sich manchmal fragen, warum der Homöopath während der Anamnese
oft in dicken Büchern nachschlagen muss. Diese Bücher sind nichts anderes als
sogenannte Repertorien (Symptomenverzeichnisse) mit mehreren hunderttausend
Symptomen, die der Homöopath natürlich nicht alle im Kopf haben kann. Wie sagte
einmal so schön Albert Einstein, als er die eigene Telefonnummer nachschlagen
musste:" Dinge , die ich mir aufschreiben kann, brauche ich mir doch nicht zu
merken."
Wie ein Patient auf ein Mittel reagiert und wie lange es zu einer
vollständigen Genesung dauert, lässt sich nur bedingt abschätzen. Um die Wirkung
einer Arznei zu erkennen und ob ein Absetzen oder ein Wechsel der Arznei
notwendig ist, bedarf es der engen Zusammenarbeit zwischen dem Behandler und dem
Patienten. Dazu gehört die aufmerksame Selbstbeobachtung und ein regelmäßiger
Austausch mit dem Homöopathen. Man wird man sich vier Wochen nach der
Erstanamnese wieder in der Praxis vorstellen. In schwierigen Fällen kann aber
auch ein häufigerer Kontakt mit dem Behandler notwendig sein.
Wer sich auf eine homöopathische Behandlung einläßt, muss am Anfang meist völlig
umdenken. Ziel der Therapie ist es nicht, oberflächliche Symptome zum
Verschwinden zu bringen, sondern die Krankheit aus dem Wesenskern des
Betroffenen heraus zu heilen, bis die äußeren Zeichen von selbst verschwinden.
In einigen Fällen kann eine solche Heilung sehr schnell gehen, manchmal dauert
es aber auch eine geraume Zeit. Vor allem dann, wenn durch jahrelange
schulmedizinische Behandlung Symptome nur unterdrückt wurden.
Manchmal kann es während der Behandlung vorübergehend zu einer
Erstverschlimmerung kommen, was die Patienten häufig irritiert, jedoch als
positives Zeichen zu werten ist.
Die Homöopathie kann verblüffende Heilungserfolge vorweisen, auch bei
Säuglingen, Tieren und Bewusstlosen, wo eine reine Placebowirkung ausscheidet.
Doch gibt es auch Grenzen der Homöopathie. Bei schweren Leiden in stark
fortgeschrittenen Stadium ist eine Heilung oft nicht mehr möglich, höchstens
noch eine Linderung, da die Lebenskraft des Patienten zu schwach ist, auf den
Reiz des homöopathischen Arzneimittels zu reagieren.
In anderen Fällen ist die falsche Mittelwahl die einfachste, aber längst nicht
die einzige Erklärung für den Misserfolg.
Für Samuel Hahnemann war es selbstverständlich, dass in der Kur, „alles übrige
aus der Diät und der Lebensordnung des Patienten entfernt werden müsse, was nur
irgendwie arzneilich wirken könnte, damit die feinen Gaben nicht durch
fremdartig arzneiliche Reize überstimmt, ausgelöscht oder auch nur gestört
werden". Als mögliche Hindernisse nannte er u.a. Kaffee, Kräutertee, Liköre,
Riechwasser, stark duftende Blumen, Zucker, Kochsalz, verschiedene
Fleischspeisen.
Um die korrekte Interpretation seiner Empfehlungen wird seitdem heftig
diskutiert. Nicht alle erwähnten Einflüsse sind sogenannte Antidote und machen
das homöopathische Mittel zwingend unwirksam, so viel ist sicher.
Weil jeder Mensch einmalig ist, muss die Suche nach möglichen Störfaktoren
genauso sensibel und individuell vor sich gehen, wie die homöopathische
Behandlung selbst.
© by Andreas Bachmair
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